Postcard from Tallinn

Tallinn – ein mittelalterliche Perle im Norden Europas 

Ich muss gestehen Estland stand nie auf meiner Reiseliste. Ich wusste in etwa wo das kleine Land auf der Karte zu finden ist aber da hörte es mit meinen Estland Kenntnissen schon wieder auf. Es gibt auf dieser Erde 194 Länder – oder besser Staaten- von kleinen Inseln bis zu Riesenstaaten wie Amerika oder Russland. Leider ist das Augenmerk, wenn man auf der Suche nach dem nächsten Reiseziel ist, nur auf ein paar dieser Länder gerichtet. Viele Ecken der Erde bleiben von den Tourismus strömen völlig unentdeckt. Ein Segen um die Natur und die Ursprünglichkeit zu erhalten aber auch ein Verlust, denn jedes Stückchen Land hat seine eigenen Charakter. Wir sind geprägt von den Eindrücken von anderen. Auf Pinterest wird nach den ‘100 places you need to visit before you die’ und ‘die Top 10 – schönsten Städte Europas’ gesucht. Was wir als sehenswert deklarieren, basiert auf der Meinung von anderen. Viele Städte entgehen uns, nur weil sie es nicht unter die Top 10 auf Pinterest geschafft haben und keinen bekannten Hashtag auf Instagram tragen. Ich möchte ein bisschen aus brechen aus meiner Travel Bucket-List und jede Möglichkeit wahrnehmen wenn es ans ‘neue Orte entdecken’ geht. Jede neu kennen gelernte Stadt, jedes neu bereiste Land, jeder neu bestiegene Berg ist eine Erfahrung und hilft dass sich die Welt sich einem persönlich ein kleines Stückchen mehr erschließt.
Mit dieser Einstellung im Hinterkopf hat es mich nach Tallinn in Estland geführt und was diese Stadt an der Ostsee so zu bieten hat könnt ihr im heutigen Beitrag lesen.

Die Anreise

Wir sind von Stockholm gestartet und haben einen ‘Boat Cruise’ nach Tallinn gemacht. Diese Minikreuzfahrten sind im Norden Europas rund um die Ostsee sehr beliebt, da sie die Möglichkeit bieten innerhalb eines Wochenende eine neue Stadt zu entdecken ohne eine Unterkunft vor Ort buchen zu müssen. Noch dazu sind diese Cruises super billig, so haben wir in einer 4er Kabine gerade mal 18€ pro Kopf gezahlt. Am Freitagnachmittag ging es in Stockholm aufs Schiff und erstmal wurde die Kabine und das Schiff erkundet. Zwar sind die einfachsten Kabinen wirklich ziemlich eng, ohne Fenster und auch die Betten sind nicht die größten aber für zwei Nächte absolut ausreichend. Das Schiff hatte von mehreren Bars mit Live Musik, einigen Restaurants bis zur obligatorischen Käptensbar, an der Cocktails geschlürft werden, während ein mehr oder weniger gutes Bühnenprogramm performt wird, alles zu bieten. Wenn man von Stockholm aus startet sollte der direkte Weg nach dem erkunden der Kabine, aufs Deck führen. Denn während man langsam aus dem Hafen schippert wird man hier mit einer grandiosen Schärenrundfahrt überrascht. Bis zu einer Stunde fährt man hier an den Stockholmer Schäreninseln vorbei. Voll mit roten, schwedischen Sommerhäuschen die sich an den Felsen drängen und von jedem führt ein privater Steck ins baltische Meer. Ein wunderschöner Anblick, vor allem wenn die Sonne langsam untergeht und alles in ein mystisches Licht taucht.
Nach einer recht geruhsamen Nacht, den Seegang bemerkt man kaum, kommt man gegen 10 in Tallinn an.

Kalamaja – das Szenenviertel der Stadt

Wir haben uns nach der Ankunft zuerst auf eins Sezenenviertel der Stadt gemacht. Denn Tallinn hat mehr zu bieten als eine mittelalterliche Altstadt. In Kalmaja sieht man spektakuläre Straßenkunst, an manchen Ecken habe ich mich tatsächlich nach New York versetzt gefühlt. In der Sowjetzeit war das Gebiet um Kalmaja Sperrgebiet und Soldaten Patrouillierten an der Küste. Dem Viertel ist seine Geschichte heute kaum mehr anzusehen. Es hat sich zu einem lebendigen Viertel entwickelt voll mit jungen Leuten, hippen Cafès, und Flohmärkten neben den alten Fabrikgebäuden. Man merkt hier den Charm des noch Unfertigem. Hier wird die Freiheit gelebt die sich das Land erst seit seiner Unabhängigkeit 1991 wirklich ausleben kann.

In Kalmaja liegt auch das angesagte Cafè F-Hoone. In einem Fabrikgebäude kann man hier stunden verbringen und sich durch die Kuchentheke essen oder die leckeren Ofenkartoffeln probieren.

Die Altstadt von Talinn

Nachdem wir gestärkt waren, ging es in die Altstadt. Kopfsteinpflaster, bunte Häuser und Christlich Orthodoxe Kirchen mit ihren markanten Türmen, die schon von weitem zu sehen sind. Steigt man zur Stadtmauer hinauf dann fühlt man sich ein paar Jahrzehnte zurück versetzt und kann sich vorstellen wie sich das Leben hier im Mittelalter abgespielt haben muss. Es duftet nach gebrannten Mandeln, selbst im Sommer, während man durch die engen Gässchen bergabwärts schlendert. Früher war die Stadt eine bedeutende Handelsstadt und die Heimat von Kaufleuten aus Deutschland, Dänemark und anderen Ländern. Es wundert einen nicht, dass Tallinns Altstadt UNESCO Kulturerbe ist, denn sie gehört zu den best erhaltenen Altstädten Nordeuropas. Einen Stop sollte man auf jeden Fall bei Cortile einlegen, eine kleiner Eisladen an dem es nicht nur Eiskugeln gibt sondern auch selbstgebackene Cookies und Eissandwiches.
Nach einem langen Tag ging es gegen 6 wieder zurück aufs Schiff. Ein schöner Tag mit vielen neuen Erlebnissen lag hinter uns. Und nach vielen gelaufenen Kilometern freuten wir uns sogar auf unsere kleine Kajüte mit den Stockbetten. Ich habe ein weiteres kleines Stückchen Erde entdeckt und freue mich schon auf die nächste Reise.

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