Tea and Books – January

Neujahrsvorsätze hin oder her, einen Vorsatz habe ich mir dieses Jahr doch genommen: wieder anfangen zu lesen. Als Kind hab ich lesen geliebt, in neue Welten einzutauchen, Teil einer Geschichte zu sein, ich hatte fast überall ein Buch mit dabei. Irgendwie habe ich aber mit der Zeit immer weniger gelesen. Im Studium wurde meine Leselust von dem Gefühl, wenn Lesen, dann sollte es ein Lehrbuch für die Uni sein, verdrängt. Zudem muss ich in meinem Studium viele juristische Fälle lesen, keine leichte Lektüre und dann ist da häufig keine Lust mehr da auch in der Freizeit zu einem Buch zu greifen. Wenn ich ehrlich bin ist auch Netflix ein großer Lesekiller. Für mich war Lesen immer eine Form von Entspannung und wenn ich nach einem anstrengenden Tag nach Hause komme, scheint es einfacher Netflix anzuschalten und eine Serie zu schauen. Wenn ich aber doch mal ein Buch in die Hand nehme und nicht meinen Laptop auf den Schoss dann bin ich schnell wieder in einer kleinen Lese Trance gefangen und verbringe am liebsten den ganzen Tag mit Buch, Tee und Decke auf dem Sofa.

Als ich über die Weihnachtsfeiertage nach Hause zu meiner Familie gefahren bin, hatte ich endlich wieder Zeit für solche Tage und habe meine Leseliebe zurück entdeckt. Es tut einfach gut in eine Fantasiewelt einzutauchen die so viel realer scheint, als es eine Serie oder Film je auslösen kann. Ich merke auch, dass mich das Lesen motiviert wieder öfter selbst den Stift in die Hand zu nehmen und ich habe wieder angefangen in mein Journal zu schreiben.

Ganz unerwartet lag dann auch noch ein Ebook Reader unter dem Weihnachtsbaum und das hat meinen Vorsatz perfekt gemacht: das Ziel für 2018, jeden Monat zumindest ein Buch zu lesen. Im Monat Januar hat das auch super funktioniert, und es wurde nicht nur ein Buch sonder gleich eine ganze Menge, das lag natürlich vor allem daran, dass ich Anfang Januar noch Semesterferien hatte und somit deutlich mehr Zeit. Mein Januar Bücher möchte ich Euch heute kerne vorstellen und damit  bei dem einem oder anderen ein wenig die Leselust wecken.

Viveca Sten – Die toten von Sandhamn

Meine Mama ist ein großer Fan von dieser Schriftstellerin und hat mir das Buch empfohlen. An dieser Stelle ein Großes Danke denn ich hab es geliebt. Es spielt auf einer kleinen Schäreninsel vor Stockholm, und hat bei mir eine ganz große Lust geweckt diese Insel mal zu besuchen. Da ich im Moment in Schweden lebe hatte ich gleich noch einen tieferen Bezug zu den Charakteren und der in Schweden angesiedelten Geschichte.

Inhalt

Die Inselbewohner sind erschüttert, auf der karg besiedelten Insel Sandhamn ist ein Mädchen verschwunden. Die Eltern geben die Hoffnung nicht auf, ihr Tochter lebend zu finden und die kleine Inselgemeinde kann nicht glauben, dass sich ein Mörder unter ihnen befinden soll. In die Geschichte verwirrt sich die Geschichte des kleinen Thorwald, der vor knapp 100 Jahren auf der selben Insel aufgewachsen ist. Er leidet unter den brutalen Wutausbrüchen seines Vaters und hat eine schlimme Kindheit. Vom Vater misshandelt, während die Mutter untätig bleibt. Thorwald möchte von der Insel fliehen.

Die beiden Erzählsprünge sind ineinander verworren aber mit der Zeit wird immer klarer, wie die Geschichten zusammenhängen und eine traurige Wahrheit offenbart sich. Mich hat das Buch an diese kleine schwedische Insel entführt und ich hatte das Gefühl mit jedem Wort mehr teil der Dorfgemeinschaft zu sein die um ein junges Mädchen bangt. Viveca Sten erzählt mit viel Authentizität und Spannung, ein schönes Buch für Winterstunden vor dem Kamin.

Jodi Picoult – Bis ans Ende der Geschichte

Ich muss hier mal meine ganz große Jodi Picoult Liebe kundtun. Auch diese Autorin war ein Tipp meiner Mutter, und ich habe schon einige ihrer Bücher gelesen und wurde nicht enttäuscht. Durchwegs gut recherchiert und sehr einfühlsam geschrieben.

Inhalt

Die Geschichte dreht sich um Sage, eine junge leidenschaftliche Bäckerin die Bekanntschaft mit dem pensionierten Lehrer Josef Weber macht. Es entwickelt sich trotz dem großen Altersunterschied eine innige Freundschaft zwischen den beiden, bis Josef sie eines Tages um einen schwerwiegenden Gefallen bittet der die schreckliche Vergangenheit von Josef offenbart. Eine Vergangenheit, die eng verschlungen ist mit Sages Familiengeschichte die von ihrer Großmutter gut verborgen geblieben ist.

Das Buch erzählt über die Grausamkeiten die sich zur NS Zeit in Europa abgespielt hat. Doch Jodi Picoult wirft einen anderen Blick auf die Unmenschlichkeiten die sich abgespielt haben. Dieses Buch ist so anders als all die andern die sich mit dem zweiten Weltkrieg auseinander gesetzt haben. Jodi Picoult stellt die schmerzhafte Frage, ob hinter diesen Gräueltaten noch irgendwo eine Menschlichkeit versteckt sein konnte. Keine Opfer -Täter Beziehung wird geschildert sondern die persönliche Geschichte von einer Jüdin und einem NS Offizier. Ich hatte bis zum Lesen dieses Buches die Einstellung, mich genug mit der ganzen Thematik und diesem dunklen Loch unserer Geschichte auseinandergesetzt zu haben und reagiere manchmal fast schon etwas empfindlich wenn sich Künstler oder Autoren dem Geschehenen bedienen um darauf einen spannenden Plot aufzubauen. Aber Jodi Picoult hat es geschafft das Thema mit jeder Feinfühligkeit, Ehrlichkeit und Klarheit zu begegnen die es braucht.

Ein zutiefst berührendes Buch. Wunderschön geschrieben und dass mich am Ende zu Tränen gerührt hat.

Noah Fitzek – Noah

Und der Fitzek Hype hat mich schlussendlich auch noch eingeholt. Und zwar in voller Dröhnung. Die beiden Romane habe ich innerhalb einer knappen Woche verschlungen. Fitzek ist der im moment wohl am meist gehypte deutsche Autor und wieso oft bin ich auf den Zug erstmal nicht aufgesprungen. Vor allem da ich kein Fan von Thrillern bin. Als “Nachts-vor-dem-Einschlafen-Leser” sind mir diese manchmal ein wenig zu heftig und da ich nicht von gruseligen Albträumen heimgesucht werden will sind Thrillers für mich strikte “Tageslektüre”. Aber jetzt erstmal zum Buch selbst.

Inhalt

Der Thriller dreht sich um Noah. So nennen ihn die Obdachlosen mit denen er umherzieht, weil dieser Name auf die Innenseite seiner Handfläche tätowiert ist. Er weiß nicht, wie er heißt. Er hat keine Ahnung, wo er herkommt. Er kann sich nicht erinnern, wie er nach Berlin kam, und seit wann er hier auf der Straße lebt. Seine Suche nach seiner Herkunft wird ein Wettlauf gegen die Zeit um sich und die gesamte Menschheit zu retten. Denn Noah ist teil einer riesigen Verschwörung, die das Leben aller Menschen auf dem Planeten gefährdet und schon zehntausende Opfer gefunden hat.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt, der Leser schlüpft in die Position Noah’s und wird Teil auf der Reise über die Suche nach dem Selbst. Und dabei ist der Roman so viel mehr als bloße Unterhaltungslektüre, er wirft aktuelle Fragen auf. Ist in Zeiten zunehmender globaler Katastrophen jeder verantwortlich sich für das Wohlergehen der Menschen und der Erde einzusetzen? Ist es eine Pflicht aktiv zu werden, oder kann man Augen und Ohren verschließen. “Noah” beschäftigt sich mit den aktuellen Probleme der Menschheit. Ressourcen werden immer knapper und ein Kampf um deren Verteilung tobt schon lange, führt zu Kriegen und dem Versuch sich Zugang zu Rohstoffquellen zu sichern. Können Friedensmission diesen Kreis der Gewalt entgegen wirken oder verfolgen auch sie wirtschaftliche Interessen?
Fitzeks Buch ist eine düstere Dystopie die erschreckend aber auch gar nicht so unendlich fern von der Realität scheint. Neben dem fiktiven Plot macht der Autor auf viele erschreckende Fakten aufmerksam die uns vor Augen führen, wie zerbrechlich unsere Welt ist.

Ich war von dem Buch ziemlich aufgewühlt, gefesselt und sehr angetan. Dahinter steckt eine ausgezeichnete Recherche und somit schafft Fitzek den Spagat zwischen einem Roman der dem Leser in erster Linie unterhalten soll und einem Buch das aufmerksam macht auf die globale Entwicklung, Überbevölkerung, skrupellose Organisationen und ein Versagen der Politik.

Noah Fitzek – Das Joshua Profil

Und weil einmal Fitzek nicht gereicht hat, kam danach gleich noch ein Buch von dem Bestsellerautor.

Inhalt

Max ist ein erfolgloser Schriftsteller der anders als sein bruder Cosmo ein gesittetes Leben führt sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß … im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.

Nach “Noah” hatte ich große Erwartungen an den Roman, die aber leider eher enttäuscht wurden. Der Plot war eine wirre Geschichte, der es teilweise schwierig zu folgen war. Eine Schlägerei folgt der nächsten, Verfolgungsjagden, Todesangst und Entführungen lassen das ganze wie einen billigen Actionstreifen wirken. Fitzek hat bemüht versucht Predictive Policing, Pflegekindschaft und Pädophilie in ein Buch zu pressen was in einer abstrusen Geschichte endete die “Noah” nicht das Wasser reichen kann. Zwar sind die Charaktere sonderbar und einzigartig allerdings entsteht kaum Tiefgang zwischen den Seiten und so bleibt es bei einer banalen Hintereinanderreihung von schrecklichen Ereignissen.  Leseempfehlung? Wohl eher nicht.

Leave a Reply